Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Seimi
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Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon Seimi » Sonntag 7. Juni 2020, 01:59

Hallo!

Ich hätte mal eine Frage an die Spezialisten für historische Optikergeräte, falls es hier im Forum welche gibt. Seit ziemlich langer Zeit werden ein paar uralte Maschinen auf Ebay angeboten. Ich bin am Rätseln welchen Zweck diese hatten/haben. Hier der Link:

https://www.ebay.de/itm/alte-Optikerger ... SwJ0xaUms1

Besonders würden mich die beiden Maschinen links, auf dem ersten Bild interessieren, sowie die linke Maschine auf dem dritten Bild. Handelt es sich um "optische" Geräte oder um mechanische zur Bearbeitung von Brillengestellen?

Freue mich über alle Tips!

Grüße,

Seimi

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Lutz
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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon Lutz » Sonntag 7. Juni 2020, 11:24

Seimi hat geschrieben: sowie die linke Maschine auf dem dritten Bild.

Das dürfte eine Maschine zum Schneiden mineralischer Brillengläser sein: das Glas wird liegend drehbar eingespannt, ein Arm mit einem Rad wird mit Druck auf das Glas aufgesetzt, und durch Drehen des Glases wird selbiges auf die gewünschte Form vorgeritzt/-geschnitten, so daß man dann das überschüssige Material einfacher abbrechen kann.

Früher waren die Schleifsteine nicht dafür geeignet, das komplette Material abzuschleifen (das hätte zu lange gedauert und zu hohen Verschleiss bedeutet), so daß man sich zunächst mit einer sogenannten "Bröckelzange" an die gewünschte Form heran"gebröckelt" hat, bevor dann der Rest - ebenfalls von Hand - geschliffen wurde. Das Vorschneiden erspart einem demgegenüber eine Menge Zeit, Kraft und Bruch.

Alle, die das noch so gelernt haben, wissen sicherlich zu schätzen, daß man dadurch ein sehr gutes Gefühl für das Material (und was man damit machen kann) bekommen hat, aber soweit ich weiß, lernt das heute niemand mehr.*

Heute sind die Diamantscheiben in Schleifmaschinen geeignet, das Material viel schneller und mit weniger Verschleiss abzutragen als die alten Keramikscheiben, so daß das o.g. Vorgehen nicht mehr nötig ist. Man würde zwar den Wasserverbrauch senken und weniger Schleifschlamm produzieren, wenn man immer noch wie früher vorarbeiten würde, aber ich glaube kaum, daß jemand heute noch Lust hätte, an teuren Gleitsichtgläsern herumzubrechen... :wink: (Mal ganz abgesehen davon, daß der Anteil mineralischer Gläser immer weiter sinkt, und einem diese klassischen Methoden bei Kunststoffgläsern eh nix nützen).

Das Gerät links auf dem ersten Bild könnte denselben Zweck haben, das kann ich aber ehrlich gesagt nicht genau erkennen.




* Bin ich jetzt eigentlich auch schon "historisch"?! Da muß ich nochmal in Ruhe drüber nachdenken... :(

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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon Traumtänzerin » Sonntag 7. Juni 2020, 15:22

Ich habe in meiner Sammlung ein ähnliches Gerät wie das linke auf dem dritten Bild, allerdings eine viel neuere Version. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es nie ausprobiert habe und keine Ahnung habe, ob es funktionsfähig ist - aber was ich sagen wollte: Unter dem waagerechten drehbaren “Teller“ befindet sich eine Aufnahme für eine Formscheibe, der seitliche Arm tastet den Rand der Formscheibe ab und überträgt die Form somit über die Schneidevorrichtung auf das Glas.
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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon GodEmperor » Sonntag 7. Juni 2020, 15:24

Seimi hat geschrieben:die beiden Maschinen links, auf dem ersten Bild interessieren
Die zweite von links könnte ne Ständerbohrmaschine sein. Zumindest der Splitterschutz (dieses vergilbte Ding da, wahrscheinlich ne Lexanscheibe) spricht dafür.
Lutz hat geschrieben:Das Vorschneiden erspart einem demgegenüber eine Menge Zeit, Kraft und Bruch.
"Gut gebröckelt ist halb geschliffen!" *kotz*
Lutz hat geschrieben:* Bin ich jetzt eigentlich auch schon "historisch"?! Da muß ich nochmal in Ruhe drüber nachdenken...
Wenn unsere Azubis mal wieder rumjammern über die schiere Unmenge an Informationen in der BS, sag ich denen gerne, dass ich noch Riemenscheibengeschwindigkeiten berechnen musste. Oldschool eben. So wie die Maschinen da.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit der Realität sind purer Zufall.
...da hat ja einer meine Signatur gelesen... :P

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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon Eberhard Luckas » Sonntag 7. Juni 2020, 16:43

Das waren noch Zeiten........
Viele Grüße
Eberhard
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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon Lutz » Sonntag 7. Juni 2020, 17:50

GodEmperor hat geschrieben:
Seimi hat geschrieben:die beiden Maschinen links, auf dem ersten Bild interessieren
Die zweite von links könnte ne Ständerbohrmaschine sein. Zumindest der Splitterschutz (dieses vergilbte Ding da, wahrscheinlich ne Lexanscheibe) spricht dafür.

Ich könnte mir vorstellen, daß der Antrieb über einen von hinten herangeführten Riemen erfolgte, der über die Räder hinter der Kunststoffscheibe lief. Man sieht auch den schrägen Hebel für das Absenken der Spindel.

GoldEmperor hat geschrieben:
Lutz hat geschrieben:Das Vorschneiden erspart einem demgegenüber eine Menge Zeit, Kraft und Bruch.
"Gut gebröckelt ist halb geschliffen!" *kotz*

Stimmte aber trotzdem... :wink:

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Re: Historische Geräte - welchen Zweck haben sie?

Beitragvon GodEmperor » Sonntag 7. Juni 2020, 20:35

Lutz hat geschrieben:Stimmte aber trotzdem...
Stimmte, fand ich aber trotzdem doof bzw schmerzhaft. Zentimeterdicke Hornhaut haste da gekriegt. Feuerresistent.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit der Realität sind purer Zufall.
...da hat ja einer meine Signatur gelesen... :P


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