Lasik und die Augenoptik

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optikgutachter
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Lasik und die Augenoptik

Beitragvon optikgutachter » Montag 27. Juni 2011, 10:38

Lasik und die Augenoptik

Vorbemerkungen
• Die nachfolgend geschilderten Sachverhalte sind rein optisch-physikalischer Natur
• Sie geben Ihnen Hintergrundinformationen zu Möglichkeiten der Lasik-Operationen
• Keinesfalles kann hiermit die individuelle Diagnose eines Arztes der Augenheilkunde ersetzt werden
• Medizinische Sachverhalte sollen, können und werden nur durch Ihren Arzt beantwortet
• Ich lege Wert auf die Tatsache, daß ich hiermit keine Befürwortung oder Ablehnung in Ihre persönlichen Entscheidung einbringen möchte
• Geschildert weden ausschließlich Tatsachen auf neutraler Basis gemäß meiner Vereidigung und dem Kenntnisstande verfügbarer Statistiken
und Informationen (Lasik-Operationen machen die Augenoptiker übrigens nicht arbeitslos)
• Alle Erläuterungen sind wohlweislich für den Laien abgefasst


Der physikalisch-optische Hintergrund von Lasik-Operationen

Durch eine Veränderung der Krümmung der Hornhaut soll erreicht werden,
daß sich mit der restlichen Brechung des Lichtes im Auge eine deutliche
Abbildung auf der Netzhaut von Objekten ergibt.
Dieses bezieht sich i.d.R. auf die Betrachtung eines weit entfernten Objektes.


Folgezustände aus physikalisch-optischer Sicht

Sofern die Operation den exakt gewünschten Zustand erbringt
- und Sie nicht älter als ca. 45 Jahre(+/-5 Jahre) sind, sh. Punkt 3 -
benötigen Sie vorerst keine Brille mehr für die Ferne.


Das Auge ist jedoch ein lebendes Organ und unterliegt natürlichen
Änderungen. I.d.R. ändern sich die benötigten Stärken -grob ausgedrückt-
alle paar Jahre. Somit kann -muss aber nicht- ein Idealzustand von heute
in ein paar Jahren schon ganz anders sein.
Ebenso kann eine geringer Korrekturbedarf sich verstärken oder
im Idealfalle nicht mehr vonnöten sein.


Sofern die Operation nicht den gewünschten Erfolg in der exakten
Dioptrienreduzierung bringt, benötigen Sie weiterhin eine Brille.
(Vorteil jedoch: Zumeist mit deutlich geringeren Stärken für die Ferne als vorher).


So Sie vorher eine Lesebrille bzw. eine Korrektur für die Nähe benötigten,
werden Sie in jedem Falle -egal wie der Erfolg der Lasik-Operation auch sein mag-
weiterhin eine Ihren Augen entsprechende Korrektur benötigen
(sh. auch unten: Variationen der Einstellungen).
Nunmehr jedoch abgestimmt mit neuen Werten auf die neuen
Verhältnisse an/in Ihrem Auge*.


* Hintergrund ist hierbei, daß zum deutlichen Sehen in der Nähe die
innere Augenlinse eine gewisse Flexibilität („Krümmungsfähigkeit“)
aufweisen muss und diese Fähigkeit im Laufe der Zeit verloren geht.
Circa mit Erreichung des 45. Lebensjahres (+/- 5 Jahre) ist die innere
Augenlinse dann nicht mehr so flexibel, daß Sie problemlos in der Nähe
sehen können.
Es folgt die Lesebrille für einen gewünschten Sehbereich oder
sogenannte Gleitsichtgläser für stufenloses Sehen in allen Distanzen.



Auswertungsfakten nach durchgeführten Lasik-Operationen

Positiv:

+ Patienten (jünger als 40 Jahre) die nach Lasik-OP keine Korrektur
(als Wirkung in Dioptrien) benötigen: 20% bis 38,8%.


In neutraler Betrachtung ist hierbei zu relativieren, daß ausschließlich diepostoperativ gemessenen
Brillenglasstärken und keine sonstigen,unerwünschten Nachteile -sh. Negativ- berücksichtigt wurden.
Eine Statistik der Sehleistung vorher/nachher bzw. anders ausgedrückt:

"Wie gut konnte der Operierte vorher bestmöglichst sehen ?"
zu
"Wie gut kann er hinterher bestmöglichst sehen ?"
wäre von höherem Interesse -da aussagekräftiger- gewesen.




Negativ:

- Schlechteres Sehen auch mit Brille als vor der Operation: Häufig (5-10%)
- Herabgesetztes Farbsehen: Häufig (5-10%)
- Herabgesetztes Kontrastsehen: Häufig (5-10%)
- Erforderliche Nachoperationen: 6% (Häufig) bis 18% (Sehr häufig)
- Nachtsicht-Probleme bishin zur Nachtfahr-Untauglichkeit: Sehr häufig (>45%)
- Weiterhin erforderliche Brillenkorrektur nach Lasik zum optimalen Sehen
bis zum Alter von ca. 45 Jahren: Sehr häufig (61,2-80,0 %)
- Ab 45 (+/-5) Jahren: Immer (100%).


So ist z.B. der Werbespruch „ Ein Leben ohne Brille “ zu relativieren.
Suggeriert wird die vollkommende „ Brillenlosigkeit “ ein Leben lang,
welches zwar erwünscht, aber aus vorgenannten Gründen ab ca. 45 Jahren
nicht möglich ist.
Ein „Leben ohne Brille bis zum ca. 45. Lebensjahr ist möglich“ würde den
Ihnen nun bekannten und tatsächlichen Sachverhalt zu reinen Lasik-Operationen
genau beschreiben.


Quellen Stand 10/2008:


http://www.operationauge.de/
http://www.augenlaser.operationauge.de +
http://www.visionsurgeryrehab.org
http://www.freevis.de/lasik/auswertung.html




Variationen der Einstellungen durch eine Operation


Ein Auge wird für das Sehen in der Ferne optimiert,
daß andere Auge zum Sehen in der Nähe, die Folge:
• gutes Sehen immer nur mit einem Auge (Ferne wie Nähe)
• dreidimensionales Sehen (Abstandsempfinden) geht jedoch fast vollständig verloren
(Aus gutachterlicher Sicht einer der häufigsten Gründe für Verkehrsunfälle.)


Beide Augen werden für das Sehen in die Nähe optimiert, die Folge:
• Sie benötigen zumindest eine Brille zum deutlichen Sehen in der Ferne



Statistische Lasik-Auswertung bzw. Angaben in Zahlen


Es werden Pauschalbereiche (so z.B. +/-0,50 dpt.) der erreichten
Brillenglas-Stärken angegeben. Jeder Fachmann weis jedoch genau,
daß z.B. die benötigte Stärke von -0,50 dpt. im unkorrigierten Zustand
schon einen Sehleistungsabfall von ca. 50% in der Ferne bewirkt.


Auch die nicht korrigierte Stärke von -0,25 dpt. führt zu einem deutlichen
Abfall von bis zu ca. 25% gegenüber der vollen Sehleistung.


Im Gegensatz dazu kann das gesunde Normalauge eine benötigte Korrektur
von +0,25 dpt. „spielend“ ausgleichen und i.d.R. wird keine Brille benötigt.
Die benötigte Stärke von +0,50 dpt. kann häufig durch das Auge noch
ausgeglichen werden, führt aber auf Dauer zu Konzentrationsmängeln
infolge Anstrengung.
Insofern wurden der Stärkenbereich „+/-0,50 dpt.“ relativiert.


Die anzunehmende Wahrscheinlichkeit lautet hierbei:

Je 1/5 der Betroffenen haben die Stärken
"-0,50 dpt./-0,25 dpt./„+/-0,00 dpt.“ = plan/+0,25 dpt./ +0,50 dpt."
=> Gleichverteilung auf 20% je Korrekturwirkung.
(Für alle die es ganz genau nehmen, ich weis: „ +/-0,00 dpt. “ ist keine Wirkung.)



Nach Lasik-Operationen ergibt sich folgendes Dioptrien-Ergebnis
(Als Brillenglasstärken werden weiterhin benötigt => unabhängig sonstiger,
möglicher Einschränkungen wie Nachtfahr-Untauglichkeit etc.)
Die von http://www.freevis.de/lasik/Auswertung.html gemachten Angaben
beziehen sich leider auf die Jahre 2001-2002.
(Neuere Angaben wären wünschenwert):

DIE GRAPHISCHE DARSTELLUNG FINDEN SIE UNTER:
www.optikgutachter.de


Ergebnis positiv gesehen:


• 20-38,8% aller Operierten benötigten zunächst keine keine Brille mehr.
• Weitere 10-18,8% aller Operierten hatten zumindest erheblich
reduzierte Brillenglasstärken.


Ergebnis negativ gesehen:


• Mindestens 43,6 - 70,0% (!) aller Operierten unter 45 Jahren (+/- 5 Jahren)
benötigen nach wir vor eine Brille
• 100% aller Operierten werden spätestens mit Erreichung des
45. Lebensjahres (+/-5 Jahre) auf jeden Fall wieder eine Brille benötigen


Ferner macht die Statisik Angaben über den Anteil der Operierten,
welche infolge weiterer Abbildungsfehler oder operationsbedingter Sehschwächen
-mit und ohne Brillenkorrektur- schlechter Sehen können als vorher: 5-10% (Häufig)

Wohlgemerkt: Statistik aus 2001/2002 !
Leider sind jedoch z.Zt. keine neueren Angaben zu erhalten.

Persönlich muss ich folgendes hinterfragen:
Wenn nach neuestem Stande alles so hervoragend wäre, wie die Werbung gerne vermittelt,
warum gibt es keine neuen Statistiken die besagen:
Klappt immer, kein Risiko, falls sie doch eine Brille brauchen, zahlen wir diese Brille/n (am besten lebenslang).

Wenn der geneigte Leser mir fundierte Angaben zu neuen Statistiken machen kann:
Kontakt erbeten: http://www.optikgutachter.de
Zuletzt geändert von optikgutachter am Freitag 8. Januar 2016, 16:57, insgesamt 2-mal geändert.
http://www.optikgutachter.de Die Wahrheit zu sagen ist nicht nur die Pflicht, sondern zugleich auch die schärfste Waffe des vereidigten Sachverständigen.

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Re: Lasik und die Augenoptik

Beitragvon Oppicker » Montag 27. Juni 2011, 18:15

Bei einer mittels Laser manipulierten Cornea (Augen-Hornhaut) werden zwangsläufig die Fibrillen (Eiweißfasern der Hornhaut) beschädigt, die - solange sie unbeschädigt sind - dank ihrer Gitterstruktur ein weitgehend blendfreies Sehen ermöglichen.

Die Zerstörung der Gitterstruktur ist irreversibel (nicht mehr umkehrbar). Man bleibt Zeit seines Lebens blendempfindlich.

Bei abrasiven (abtragenden) Manipulationsverfahren der Hornhaut wird diese in der Mitte unter Umständen gefährlich dünn.
Es gibt zwar Vorgaben zur Mindestdicke, die aber nur einen Status quo, einen momentanen Zustand des Auges, berücksichtigen.
Eine einmal zerstörte Hornhaut ist zwar notfalls durch ein Transplantat zu ersetzen, aber solche Spenderhornhäute sind sehr rar.
Entweder bist Du ein Teil des Problems oder Du bist ein Teil der Lösung. Dazwischen gibt es nichts (Holger Meins)


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