Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

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wsunter
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Freitag 20. Juli 2018, 20:50

Eine Frage habe ich hierzu noch:

Wie kriege ich heraus, ob eine einseitige oder beidseitige Fusionsstörung vorliegt (ich meine: wie lauten die entsprechenden Diagnosen auf dem Arztbrief?)?

Und: bzgl. des Aufteilens der Prismen gibt es hier zweierlei Meinungen:

Die Prismen können nicht nur aufgeteilt werden, sondern MÜSSEN aufgeteilt werden, sonst geht das mit Sicherheit ins Höschen.

Sicher, daß bei einer (einseitigen?) Fusionsstörung und unterschiedlichen Prismen für Ferne und Nähe und alles in einer einzigen (Bifo-)Brille ein Aufteilen der Prismen tatsächlich sinnvoll ist? Wenn beispielsweise das Führungsauge normale Konvergenzbewegungen macht, das andere aber nicht, würde dann nicht durch das gleichmäßige Verteilen der Prismen das "normale" Auge zu unnatürlichen Bewegungen/Sprüngen gezwungen werden beim Wechsel von Ferne zu Nähe?


Was sagen die anderen hierzu?
Warum hat man in der Klinik nicht einfach aufgeschrieben, die Prismen MÜSSEN aufgeteilt oder DÜRFEN NICHT aufgeteilt werden? (ich jedenfalls interpretiere dass so: beide Optionen wären aus medizinischer Sicht in Ordnung...?

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Qwerty
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Qwerty » Freitag 20. Juli 2018, 21:18

Ein aufteilen der Prismen hat den großen Vorteil, dass die einseitige Abberation des Glases natürlich wesentlich geringer wird. Anstatt 16 nur 8 auf ein Glas zu geben macht die ganze Sache abbildungstechnisch schöner.
Aber!!!: nicht immer darf ich Prismen einfach wahllos aufteilen, dann müssen sie wie gemessen auch in die Brille übernommen werden. Solche Störungen kommen vor. Der Messende gibt die Anweisung wie weiter verfahren wird. Halte dich an den Vorschlag des Refraktionisten.

Eine Anfertigung zweier Brillen halte ich handhabungstechnisch für sehr schwierig. Wurde schon versucht mit den „Fernprismen“ zu lesen? In den allermeisten Fällen schafft man es ein Mittel zu finden mit einem Korrektionswert in beiden Bereichen komfortables Sehen zu schaffen. In der Nähe bleibt beim „Normalmenschen“ ohnehin immer ein wenig latentes Außenschielen über, das man als physiologisch normal ansehen muss. Hier zwingend Nullstellung anzustreben halte ich nicht immer für sinnvoll.

BTW: bin kein aktiver Anwender der MKH oder sonstiger prismatischer Korrektionsmethoden. Kenne lediglich die gelernte Theorie!
Für Einwände bin ich gerne offen.

Lg
Der Satz von Minkwitz, ob man‘s glaubt oder nicht, ist kein Witz :mrgreen:

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Oppicker » Samstag 21. Juli 2018, 09:49

wsunter hat geschrieben:Was sagen die anderen hierzu?
Warum hat man in der Klinik nicht einfach aufgeschrieben, die Prismen MÜSSEN aufgeteilt oder DÜRFEN NICHT aufgeteilt werden? (ich jedenfalls interpretiere dass so: beide Optionen wären aus medizinischer Sicht in Ordnung...?


Eben! Da die Klinik die Option eingeräumt hat, die Prismen zu verteilen, MÜSSEN sie m.E. auch verteilt werden, da nur so der Bildung einer Pseudofovea vorgebeugt werden kann.
Eine Pseudofovea ist eine Stelle auf der Netzhaut, die sich der Schielende als bevorzugte Stelle zum Sehen aussucht. Dort aber wäre das Auflösungsvermögen und Farbensehen gegenüber der echten Fovea centralis (Netzhautgrube) eingeschränkt.
Ich habe in meinen 35 Jahren als Optikermeister noch keinen Fall erlebt, in dem es je geboten oder erforderlich gewesen wäre, derartige Prismenunterschiede zu geben. Das kann zwar vorkommen, aber erstens nicht in dieser Größenordnung und zweitens nur bei Leuten, die TROTZ dieser Fusionsdefiziten noch beide Augen mit ähnlichen Visus zum Sehen benutzen können.
Manchmal gibt es im Leben einfach nicht genug Steine (Forrest Gump)

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Dienstag 7. August 2018, 21:51

Ich danke allen vielmals für die produktiven Beiträge. Ich habe heute die Brillen abgeholt und mit dem Optikmeister gesprochen.
Folgende Idee möchte ich teilen (für spätere Leser, die ähnliche Brillenverordnungen bekommen):

es besteht die Möglichkeit,die unteren Prisma-Hälften der Fern-Brille mittels Prismenfolie 'aufzustocken' (wie bei Franklin-Brillen), sodass der prismatische Effekt hier genauso hoch wie bei der Lesebrille/Brille für die Nähe ist.

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Montag 3. September 2018, 11:12

Hallo, ich habe mich auch bei Optikern in der Türkei informiert. Hier meinte man, dass ein französischer Glashersteller solche Bifokalglaeser anfertigen kann. Leider habe ich vergessen zu fragen, welchen Glashersteller der Optiker meinte. Weiss hier jemand, von welchem Glashersteller die Rede sein könnte [Name]?

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Roland A. Frank » Dienstag 4. September 2018, 14:39

Novacel / Essilor / Verallia / Topglas / mega optic /

bzw. guggsd du da
https://www.europages.de/unternehmen/Fr ... A4ser.html

oder frag einfach den Türken ..

In Deutschland könnte ich mir höchstens Stratemeyer vorstellen oder Rodenstock Manufaktur
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wsunter
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Dienstag 2. Oktober 2018, 22:07

Ok, ich habe noch einmal bei den Optikern nachgefragt, wo man gesagt hatte, man könne zwei Planprismenbrillen nicht kombinieren:
Grundsätzlich ist es aber so, dass man Gläser mit unterschiedlichen Prismen meistens in einer Franklin- oder Exekutivbrille kombinieren kann. Folgendes habe ich dazu im Internet gefunden (und diesen Artikel den betreffenden Optikern auch vorgelegt :D ):

https://www.dao-ag.de/exekutiv.html

Und diese Art von Gläser werden nicht allein von einem Hersteller mit Sitz in Frankreich oder Schweden produziert, sondern alle gängigen Glashersteller machen das...

Hallo,

wenn das mit Bifokal- Gläsern nicht geht... wie wäre es mit Franklin-Glasern?

Bin zwar nur Laie... aber soweit mir bekannt, werden da zwei unterschiedliche Gläser kombiniert. Das könnte doch die unterschiedlichen Prismen für Nah und Fern kombinieren.

Schönen Abend - der Löwe

Danke für den Tipp!!

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon deephorst » Dienstag 2. Oktober 2018, 23:43

Zitat:
Ok, ich habe noch einmal bei den Optikern nachgefragt, wo man gesagt hatte, man könne zwei Planprismenbrillen nicht kombinieren:
Grundsätzlich ist es aber so, dass man Gläser mit unterschiedlichen Prismen meistens in einer Franklin- oder Exekutivbrille kombinieren kann. Folgendes habe ich dazu im Internet gefunden (und diesen Artikel den betreffenden Optikern auch vorgelegt
https://www.dao-ag.de/exekutiv.html
Und diese Art von Gläser werden nicht allein von einem Hersteller mit Sitz in Frankreich oder Schweden produziert,

sondern alle gängigen Glashersteller machen das...


Aha. Da weisst Du mehr als ich. Gib doch bitte mal Deine sicher lange Liste der "alle gängigen Glashersteller" durch,
die wirklich/tatsächlich auch Franklin- oder Exekutiv- Ausführungen anbieten ... :wink:
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Mittwoch 3. Oktober 2018, 06:42

Ok, ich habe noch einmal bei den Optikern nachgefragt, wo man gesagt hatte, man könne zwei Planprismenbrillen nicht kombinieren:
Grundsätzlich ist es aber so, dass man Gläser mit unterschiedlichen Prismen meistens in einer Franklin- oder Exekutivbrille kombinieren kann. Folgendes habe ich dazu im Internet gefunden (und diesen Artikel den betreffenden Optikern auch vorgelegt :D ):
https://www.dao-ag.de/exekutiv.html
Und diese Art von Gläser werden nicht allein von einem Hersteller mit Sitz in Frankreich oder Schweden produziert, sondern alle gängigen Glashersteller machen das...

Aha. Da weisst Du mehr als ich. Gib doch bitte mal Deine sicher lange Liste der "alle gängigen Glashersteller" durch,
die wirklich/tatsächlich auch Franklin- oder Exekutiv- Ausführungen anbieten ... :wink:


Sorry, aber ich glaube, ich habe im ersten Posting etwas klugs*******haft formuliert. Jedenfalls meinte ich das so: Exekutiv- und/oder Franklin-Gläser mit Prismen werden (u.a?) von den Herstellern Essilor / Multilens / Rodenstock / Zeiss gefertigt. Und alle (wirklich alle? :wink: ) Optiker, die zumindestens wettbewerbsfähig arbeiten wollen, kooperieren zumindestens mit einem dieser Glashersteller!

(ich weiß, die ursprüngliche Frage ist beantwortet... aber wie schon erwähnt, schreibe ich dies für jene Leser, die ähnliche Brillenverordnungen bekommen!)

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon HgTe » Mittwoch 3. Oktober 2018, 14:06

Die Deutsche Augenoptik AG macht auch Bifokalgläser, in denen das Nahteil wie bei Franklingläsern verkittet wird. Somit hat man freie Wahl bei der Konfiguration. Sieht vielleicht etwas schöner aus.

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Roland A. Frank » Donnerstag 4. Oktober 2018, 09:18

HgTe hat geschrieben:Die Deutsche Augenoptik AG macht auch Bifokalgläser, in denen das Nahteil wie bei Franklingläsern verkittet wird. Somit hat man freie Wahl bei der Konfiguration. Sieht vielleicht etwas schöner aus.


"sieht vielleicht etwas schöner aus" als was oder wie ?

nur weil es die DAO irgendwo machen läßt oder wie soll man diese Aussage verstehen ?
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Messbrille » Donnerstag 4. Oktober 2018, 09:50

wsunter hat geschrieben:es besteht die Möglichkeit,die unteren Prisma-Hälften der Fern-Brille mittels Prismenfolie 'aufzustocken' (wie bei Franklin-Brillen), sodass der prismatische Effekt hier genauso hoch wie bei der Lesebrille/Brille für die Nähe ist.


das ist zumindest ein Weg, das kostengünstig auszuprobieren und dann zu entscheiden, ob man das bei guter Verträglichkeit ggf. später z.B. als Franklinglas anfertigen lässt ;

das Aufteilen der Prismen ist ein Muss - wundert mich, dass es nicht so verordnet wurde ;
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon optikgutachter » Donnerstag 4. Oktober 2018, 15:48

Messbrille hat geschrieben:..........................
das Aufteilen der Prismen ist ein Muss - wundert mich, dass es nicht so verordnet wurde ;

Vollste Zustimmung.
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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Dienstag 23. Oktober 2018, 17:55

Hallo,

wie schon erwähnt, kann man zwei Planprismenbrillen (f. Ferne und Nähe) in einer Franklin- oder Exekutiv-Brille kombinieren. Bevor ich die Brille bestelle, würde ich so eine Bifokalbrille wie folgt testen:

wsunter hat geschrieben:
es besteht die Möglichkeit,die unteren Prisma-Hälften der Fern-Brille mittels Prismenfolie 'aufzustocken' (wie bei Franklin-Brillen), sodass der prismatische Effekt hier genauso hoch wie bei der Lesebrille/Brille für die Nähe ist.


das ist zumindest ein Weg, das kostengünstig auszuprobieren und dann zu entscheiden, ob man das bei guter Verträglichkeit ggf. später z.B. als Franklinglas anfertigen lässt ;

[...]


Meine Frage: macht es einen Unterschied, ob man auf beide Glas-Hälften jeweils 4pdpt-Folien, oder auf eine Glashälfte eine 8pdpt-Folie klebt? Wenn ja: welche Option wäre sinnvoller, um eine Exekutiv-Brille wie in der beigefügten Skizze zu testen?

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Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon optikgutachter » Mittwoch 24. Oktober 2018, 08:18

Sinnvoller ist es die prismatische Wirkung zu verteilen.
Prismenfolien haben aber keine gute Abbildungsqualität,
sodass mit einem deutlichen Sehschärfenverlust gerechnet werden muss.
In Franklin- oder Exekutivausführung ist das nicht so.

Viel Glück.
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