Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

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computerchris
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Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon computerchris » Dienstag 16. Januar 2018, 12:43

Hallo zusammen,

meine Mutter hat sich vor kurzem bei einer der großen Optiker-Ketten zwei Brillen gekauft. Eine Lese- und eine Fernbrille. Auch nach einigen Wochen Testtragen hat sie den Eindruck, daß die Brillen irgendwie nicht richtig passen.

Bei einem anderen Optiker wurden die Brillengläser ausgemessen - das Ergebnis: Bei beiden Brillen nimmt der Dipotrien-Wert in den Gläsern zum unteren Rand hin jeweils deutlich ab.

Nehmen wir mal als Beispiel die Fernbrille, bei der der Unterschied größer ist.

1.) Rechtes Glas

a) bestellt war: Platin Individual E-ZS26 P-1 3,50 -2,00 088

b) gemessen wurde:

oben:
SPH: +3,50
CYL: -2,00
AXS: 89
PSM: 0,00
88

unten:
SPH: +2,75
CYL: -1,50
AXS: 86
PSM: 4,25
90

2.) Linkes Glas

a) bestellt war: Platin Individual E-ZS26 P-1 2,25 -1,75 085

b) gemessen wurde:

oben:
SPH: +2,25
CYL: -1,75
AXS: 86
PSM: 0,00
180

unten:
SPH: +1,75
CYL: -1,50
AXS: 89
PSM: 3,00
90

Wohlgemerkt: Es handelt sich hier um keine Gleitsichtbrille, sondern eine Einstärkenbrille.

Der zweite Optiker, (also der, die Brille ausgemessen hat) kann sich das nicht erklären und meinte, daß die Werte durchaus zum Rand hin schwanken können, aber nicht so stark. Rechts nimmt der Wert ja um 0,75 ab. Es sei damit kein Wunder, wenn meine Mutter sich mit der Brille unsicher fühle, da dies ein starker Unterschied nach unten hin sei.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Die Gläser haben auch Gravuren: Auf der nasenzugewandten Seite sind bei beiden Gläsern ein Sechseck sowie die Zahlen "35" und "67" zu sehen, auf der "Außenseite" jeweils ebenfalls ein Sechseck und der Buchstabe "G". Die Gravur mit "G" wurde hier im Forum mal Gläsern von Netline zugeordnet, aber was bedeuten diese Zahlen? Läßt sich sonst etwas zu diesen Gläsern sagen? Handelt es sich hier möglicherweise um Gleitsicht-Gläser, obwohl Einstärkengläser bestellt waren?

Viele Grüße
computerchris

starry_night
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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon starry_night » Dienstag 16. Januar 2018, 13:31

Wenn ich es richtig verstehe, werden die Gläser nach unten hin schwächer, bei Gleitsicht wäre es genau umgekehrt. Was genau da passiert ist, kann Euch wohl nur die ausführende Optikerkette erklären also nochmal hin und Problem schildern.
Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.
Antoine de Saint-Exupery

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Qwerty
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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon Qwerty » Dienstag 16. Januar 2018, 14:04

Hallo :D
Zu allererst sei gesagt, der von dir beschrieben Glastyp ist
asphärisch.
Wenn interessiert hier ein kleiner vereinfachter technischer Artikel:
https://www.der-augenoptiker.de/technik/ohne-titel-192/

Kurze Randbemerkung: Je nach Asphärenberechnung kann es schon mal vorkommen, dass die Stärke zum Rand deutlich abnimmt. (Das kann bei jüngeren Personen aufgrund der Akkomodation (also der Anspassung der Linse an verschiedene Dioptrien) noch weniger Schwierigkeiten bereiten, bei älteren Personen allerdings sehr wohl.)

In einfachen Worten asphärische Gläser haben gegenüber sphärischen Gläsern entscheidende Vorteile, diese sind aber nur gegeben wenn:

*Das Glas richtig vor dem Auge positioniert ist:
Das Glas sollte ca. 15mm vom Hornhautscheitel entfernt sein (HSA), um ungefähr 8 Grad nach vorne verkippt sein (Vorneigung) und die Scheiben zueinander ca. 2-5 Grad gebogen sind (FSW). Die richtige Zentrierung ist also entscheidend (Augendrehpunktforderung).

Erschwert hinzukommt dass viele Stärken nicht optimal für eine asphärische Flächengestaltung geeignet sind.
Darunter fallen zum einen:

*Anisometropien (Unterschiedliche Korrekturwerte (Dpt) zwischen dem Rechten und Linken Auge.

*Sowie auch meridionale Unterschiede der Brechkraft des Brillenglases (Torische oder auch Astigmatische Brillengläser) da über die vorder Asphäre des Glases immer nur ein Hauptschnitt optimal korrigiert ist.

In theoretischer Hinsicht sind also asphärische Brillengläser ausgezeichnet und versprechen scharfes Sehen bis zum Rand.
Aufgrund der oben geschriebenen Problematiken funktioniert das in der Praxis aber eher bescheiden. Zumal man bei großen Ketten (!Achtung Sarkasmus!) sehr gut ausgebildetes Fachpersonal findet. :lol: .

Meine Empfehlung daher:

Zuallererst den Brechungsindex (also das Material) des Glases verändern. Auf 1.6 anstatt 1.67 da hier die chromatischen Aberrationen wesentlich geringer sind. Und ein sphärisches Brillenglas angepasst nach der Drehpunktforderung und oben genannten Gesichtspunkten.
Auf Apollo‘scher Fachsprache dann eben Silber und den kompetentesten Kollegen wählen. Sollte das nicht möglich sein... Geld zurück und einen guten Augenoptiker aufsuchen, evtl. Empfehlungen aus dem Freundeskreis oder gar ein Augenoptiker aus dem Forum, der sich in deiner Nähe befindet. :wink:

Lichtverbieger
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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon Lichtverbieger » Dienstag 16. Januar 2018, 23:35

Dem ist nichts hinzuzufügen.

computerchris
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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon computerchris » Samstag 20. Januar 2018, 19:16

Hallo zusammen,

... und erstmal vielen Dank für Eure Antworten! :)

Wir waren in der Zwischenzeit noch mal mit beiden Brillen bei der Optikkette vor Ort.

Die Lesebrille war ohnehin unbequem und wurde deshalb über die "Geld-zurück-Garantie" zurückgegeben.

Die Fernbrille (deren Daten ich ja im ersten Posting angegeben hatte) wurde nun auch von diesem Optiker durchgemessen - mit dem Ergebnis, daß die Glasstärke angeblich nach unten hin gar nicht bzw. maximal um 0,25 abnimmt. Also ein klarer Widerspruch zur Messung beim anderen Optiker.

Könnt Ihr Euch erklären, wie es zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann? Ich konnte bei beiden Messungen "über die Schulter schauen" und halte daher beide Messungen für echt. Die Meßgeräte sahen unterschiedlich aus (evtl. unterschiedliche Technik?), aber kann das soviel ausmachen? Oder gibt es evtl. verschiedene Einstellungen für sphärische und asphärische Gläser und bei der einen Messung wurde das evtl. nicht berücksichtigt?

Die Gläser dieser Brille werden nun zur Sicherheit nochmal an den Hersteller geschickt, damit auch er diese ausmessen kann. Wenn die Werte doch korrekt sind und meine Mutter die Brille dennoch nicht verträgt, wurde ihr auch in der Filiale empfohlen, auf sphärische Gläser umzusteigen (wohl auf die Gold-Variante). Das wird dann entschieden, wenn die Gläser von der Prüfung beim Hersteller zurückkommen.

Viele Grüße,
computerchris

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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon Eberhard Luckas » Sonntag 21. Januar 2018, 14:07

Moin,
es sind doch individuelle Einstärkengläser verwendet worden. Solche Gläser haben immer leichte Stärkenabweichungen zum Rand hin, dafür ist die Abbildung (bei richtiger Zentrierung und richtiger Stärke) aber auch bestens.
Viele Grüße
Eberhard
Augenoptikermeister

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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon computerchris » Sonntag 21. Januar 2018, 15:33

Eberhard Luckas hat geschrieben:es sind doch individuelle Einstärkengläser verwendet worden. Solche Gläser haben immer leichte Stärkenabweichungen zum Rand hin, dafür ist die Abbildung (bei richtiger Zentrierung und richtiger Stärke) aber auch bestens.


Die Frage ist aber doch, warum es für die Gläser der einen Brille zwei völlig unterschiedliche Meßergebnisse gab:

Der eine Optiker misst, daß die Gläser zum Rand hin um 0,5 bzw. 0,75 Diotrien abnehmen; der andere Optiker (wo die Brille ursprünglich gekauft wurde) kann dieses Ergebnis überhaupt nicht nachvollziehen und misst, daß die Gläser zum Rand hin um 0 bzw. 0,25 Dioptrien abnehmen.

Wie können zwei Optiker zu solch unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Die Schwankung ist doch etwas arg groß? Muß ein aspährisches Glas anders vermessen werden, als ein spährisches und könnte hier evtl. der Fehler liegen?

Viele Grüße
computerchris

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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon Snipera » Sonntag 21. Januar 2018, 15:45

... indem man ein Problem herunterspielen möchte?
... indem man das Glas nicht paralell auf den Zentrierpunkt legt?
... indem das Meßgerät auf 0,25 dpt. runden gestellt war und es wurde "abgerundet"?
...

-> Es gibt viele Erkärungen, aber da wir nicht dabei waren, können wir nur mutmassen.

Fakt ist, was ich so herausgelesen habe, dass das Sehen nicht angenehm ist. Also gehört hier eine Lösung her

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Eberhard Luckas
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Re: Wie sehr dürfen die Werte eines Brillenglases schwanken?

Beitragvon Eberhard Luckas » Sonntag 21. Januar 2018, 16:55

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Gläser vor allem in der Höhe nicht richtig zentriert sind. Aber ohne die Brille selbst zu sehen und den Kopf dazu natürlich auch,ist es kaum möglich, eine Lösung zu finden.
Viele Grüße
Eberhard
Augenoptikermeister


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