Mit neuer Brille unzufrieden

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Bremer
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Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Bremer » Montag 22. Mai 2017, 21:14

Ein nettes Hallo,
ich bin 66 Jahre und brauche eine neue Brille. Im Vorfeld befragte mich der Optiker nach dem letzten Augenarztbesuch. Dieser lag schon über 5 Jahre zurück, und so alt ist auch meine jetzige Gleitsichtbrille.
Die ermittelten Werte sind:
Sph Cyl Achse Add Prisma Basis
R 1,75 -0,50 35 2,75 3,50 180
L 1,50 -0,50 110 2,75 3,50 0
Kunststoffgläser CR39, Index 1,6
Bei der Brillenabholung bemängelte ich sofort den Abstand zum Lesen. Ich schätze mal 20 - 30 cm, also fast an der Nase. Die Schrift insgesamt ist mir nicht scharf genug.
Nun wurde durch eine andere Person erneut die Werte meiner Augen vermessen, und man kam auf ein leicht abweichendes Ergebnis. Die Werte blieben geheim. Eine Trübung meiner Augen wurde dabei ins Gespräch gebracht, und ich soll einen Augenarzt aufsuchen. Der Termin ist in einer Woche.
Die neue Brille habe ich nicht mitgenommen, bekam jedoch schon per Post die Rechnung zugestellt.
Ich weiß nicht so recht wie ich mich jetzt verhalten soll. Muss ich die Brille nun abnehmen und bezahlen oder nicht?
Es grüßt,
Bremer

Messbrille
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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Messbrille » Montag 22. Mai 2017, 22:04

Hallo,

anhand Deiner Informationen kann man eigentlich nur allgemeine Tipps geben , auf die Du achten solltest:

sicher wurde ja vor der Anfertigung der Brille eine subjektive Refraktionsbestimmung (Sehtest) durchgeführt und auch das Sehen in der Nähe ausprobiert - war es da besser ?!

ein Nahteil von +2,75dpt. lässt darauf schliessen, dass diese Stärke nötig war, um ein optimales Sehen in der Nähe zu erreichen ; das kommt regelmäßig vor, wenn eine Minderung der Sehschärfe (z.B. bei altersbedingter Linsentrübung) vorliegt, die aber noch nicht ärztlich behandelt werden muss ;

wenn man nun bei einer Gleitsichtbrille eine Nahaddition von 2,75dpt. hat und das einen Leseabstand von 30cm ergibt, ist etwas höher auch ein Leseabstand von 40cm realisierbar - manchmal ganz einfach durch entsprechende Anpassung des Sitzes der Brillenfassung auf der Nase ein lösbares Problem;

das muss man in Ruhe ausprobieren: eine gewisse Gewöhnungszeit an eine neue Brille - zumal mit Gleitsicht und Prismen - braucht es mitunter schon;

prinzipiell sind die "Werte" unter Deiner Mitarbeit bestimmt worden, und die Brille ist danach angefertigt und geliefert worden - der Auftrag ist damit erfüllt und auch zu bezahlen ; sollte mit der Brille etwas nicht stimmen, besteht für den Kunden die Möglichkeit der Reklamation, für den Händler die Möglichkeit der Nachbesserung (auch mehrmals) ; eine direkte Verweigerung der Abnahme ist vielleicht möglich, wenn eine ganz falsche Fassung geliefert wurde etc. - aber nicht, wenn eine subjektive Unzufriedenheit bei erstem Aufsetzen besteht ;

sollte es an Deinen Augen liegen, ist das auch kein Grund, die Brille nicht zu bezahlen.....

übrigens ist auch der Augenarzt nicht die "Qualitätskontrolle" für den Optiker, er könnte aber ggf. die Brille mal ansehen, ausmessen und grob sehen, ob die Werte stimmen - natürlich nicht, wenn die Brille noch beim Optiker liegt ;


es ist leider so in diesem Land, dass dank budgetierter Staatsmedizin monatelange Wartezeiten bei den Augenärzten bestehen während man die Brille sofort beim Optiker bekommen kann - trotzdem macht kein Optiker eine Brille, wenn es schon bei der Refraktionsbestimmung Probleme gibt , eine gute Sehschärfe zu erreichen; das hilft keinem - hier erfolgt dann regelmäßig die Empfehlung des Optiker zur Vorstellung beim Augenarzt vor Erwerb einer neuen Brille ;

Gruss
Augenarzt

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Traumtänzerin » Dienstag 23. Mai 2017, 12:17

Nur mal interessehalber - ich lerne ja noch: CR39 hat doch eigentlich Index 1,5. Gibt es das auch mit Index 1,6?
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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon ronja » Dienstag 23. Mai 2017, 12:25

@ TT: meines Erachtens nur für 1.5:
https://www.zeiss.de/vision-care/de_de/ ... nisch.html

Dort ist eine Tabelle ganz unten aufgeführt.

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Traumtänzerin » Dienstag 23. Mai 2017, 12:41

Genau, ronja! So hatte ich es auch im Kopf, kam nur nicht auf MR8. Aber vielleicht gibt es ja Neuentwicklungen, von denen ich noch nichts weiß.
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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Karoshi » Dienstag 23. Mai 2017, 13:01

CR39 ist immer Index 1,5, habt schon recht.
Des Menschen Leben gleicht der Brille. Man macht viel durch. -- Heinz Erhardt
staatl. gepr. Augenoptiker und Augenoptikermeister FFA München 2011

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Augenoptikermeister » Dienstag 23. Mai 2017, 13:13

Genau aus diesem Grund müssen alle Kunden Anzahlung leisten,und unterschreiben das dieser Auftrag so gefertig wird!
Hab die Nase voll von Klagen und die Aussage bei jeden Optiker kann man die Brillen zurückgeben :evil:

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon ronja » Dienstag 23. Mai 2017, 13:50

Aber die Angaben vom Optiker stimmen ja scheinbar nicht.
Und das wäre dann zu prüfen und dann ggf. schon ein Grund, eine Brille nicht zu bezahlen.

Ist es tatsächlich CR39? Oder ein anderes Material mit 1.6?
Was wird berechnet? wird 1.6 berechnet aber nur CR39 ausgeliefert?

@Bremer: kannst du dazu etwas sagen?

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Messbrille » Dienstag 23. Mai 2017, 14:22

Und das wäre dann zu prüfen und dann ggf. schon ein Grund, eine Brille nicht zu bezahlen.


- nein, das wäre ein Grund die Brille ggf. nachzubessern , ggf. neue Refraktion, ggf. neue Gläser - was auch immer ;

bezahlen, ggf. unter Vorbehalt muss man aber trotzdem ; klar im BGB geregelt ;

der Verbraucherschutz geht schon recht weit: z.B. liegt die Beweislast in den ersten 6 Monaten beim Händler u.s.w. - trotzdem gilt: Zahlung bei Abholung;

die Strategie "ich zahle erstmal nicht" mag sich zwar immer mehr verbreiten, ist aber nicht rechtens ;

wenn ich mein Auto aus der Werkstatt hole ist auch gleich die Bezahlung fällig - die Werkstatt könnte das Auto sonst sogar zurückhalten...

mag für Bremer ja nicht sehr hilfreich sein - aber die genaueren Infos fehlen uns ja immer noch ;
Augenarzt

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Traumtänzerin » Dienstag 23. Mai 2017, 14:35

Hier muss ja auch nicht unbedingt ein Fehler des Optikers vorliegen, ein Laie könnte ja auch meinen, CR39 sei ein Synonym für Kunststoffgläser.
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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Distel » Dienstag 23. Mai 2017, 15:14

ronja hat geschrieben:Aber die Angaben vom Optiker stimmen ja scheinbar nicht.
Und das wäre dann zu prüfen und dann ggf. schon ein Grund, eine Brille nicht zu bezahlen.


Was nicht stimmt, ist das Miteinander von Kunde und Augenoptiker.
Der Augenoptiker tut bei solchen Werten gut daran, den Kunden auf die Veränderungen des Sehens vorzubereiten.
Wer weiß, ob die Erklärungen auch beim Kunden angekommen sind und verstanden wurden.
Oft ist auch die Erwartungshaltung einiger Kunden überzogen. Alles soll sofort funktionieren....Eingewöhnung?????
Da niemand des Forums dabei war, ist es müßig weiter darauf einzugehen. :roll:


Die Brillenglasbestimmung gibt das Ergebnis der Kommunikation zweier Menschen wieder. :!:
Kunde und Augenoptikmeister - der eine stellt Fragen zum Seheindruck des anderen.
An Hand der Rückantworten werden die Glaswechsel vorgenommen.

Um Auswirkungen von Kommunikationsdefiziten zu minimieren, stellen wir AO's unsere Meßergebnisse gerne auf eine breite Basis. Wir beziehen objektive Messverfahren, bisherige Werte, Demonstrationen der ermittelten Werte in die endgültige Festlegung der Brillenwerte mit ein.
Erfahrungsgemäß hinterfragen Kollegen, die mit prismatischen Werten arbeiten, die Werte besonders sorgfältig.
Bitte nicht vergessen, der Kunde arbeitet aktiv die ganze Zeit mit. :wink:

So ist der von Bremer geschilderten Vorgang der Abholung der Brille bei mir angekommen.
Das Sehen mit der Brille wurde bei der Abholung bemängelt...zu dichte Nahdistanz und zudem unscharf
Eine zweite Person überprüft sofort die Brillenglasbestimmung, bei der keine größeren Abweichungen festgestellt werden.
Bremer weigert sich die Brille abzunehmen.......

Wie soll so die Verträglichkeit einer Brille (besonders mit Prisma) getestet werden? :shock:
So ein Teil muss über einen längeren Zeitraum mal auf die Nase gesetzt und ein paar Tage durchgetragen werden.
Die Augen müssen eine Chance haben, sich auf die neuen Stärken einzustellen.
Erst dann kann beurteilt werden:
.... bleiben die störenden Effekte?....schwächen die sich ab? ...oder verschwinden diese sogar?
Danach können weitere Schritte überlegt werden, alles andere ist übertriebener Aktionismus!
Nemo me impune lacessit - Niemand reizt mich ungestraft

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Bremer » Dienstag 23. Mai 2017, 19:17

Ein Nettes Hallo,
ich will keinen Stress machen. Ich bin ein wenig verunsichert weil ich eine etwas andere Erwartungshaltung hatte. Die Brille läuft über einen Werklieferungsvertrag. Daher mache ich mir über die rechtliche Sache schon Gedanken. Nehme ich sie ab, wurde geliefert. Im Vorgespräch wurde Kunststoff CR39; Index 1,5 besprochen. Auf der Rechnung steht 1,6 SET hart Clean H2. Man meinte, die Gläser werden dadurch dünner. Es geht hierbei nicht um die Bezahlung. Mich stört der kurze Nahbereich. Während der Brillenglasbestimmung äußerte ich mich mehrfach über die Unschärfe. Die Buchstaben und Zahlen sind am Rand leicht verschwommen.
Es grüßt
Bremer

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Messbrille » Dienstag 23. Mai 2017, 19:40

Hallo,

was ist denn mit "Werklieferungsvertrag" genau gemeint ?!

ist dabei die Gewährleistung/Sachmängelhaftung ausgeschlossen ?! Ich empfehle Abnahme der Brille (unter Vorbehalt), Tragen für 1-2 Wochen, dann ggf. unter genauer Angabe der Probleme mit dem Optiker sprechen - es findet sich bestimmt eine Lösung ;

Gruß
Augenarzt

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Bremer » Dienstag 23. Mai 2017, 22:44

Hallo,
ich gebe ein Beispiel aus meinem Beruf.

Man geht zum Zahnarzt und läßt sich einen Zahnersatz anfertigen. Egal ob Prothese, Krone oder Brücke. Für den Kassenpatient haben die gesetzlichen Krankenkassen als Kostenträger eine Garantie von 2 Jahre den Leistungserbringern (Zahnarzt, Zahntechniker) abgenötigt, und in den Verträgen festgeschrieben. Als Privatpatient (Selbstzahler) gibt es keine Garantie. Wenn das Werk, also der Zahnersatz, geliefert wird, und der Patient die Praxis damit verläßt, wurde das Werk (Zahnersatz) geliefert und abgenommen. Mängel hätte der Patient vor dem Verlassen der Praxis rügen müssen, und notfalls den Zahnersatz in der Zahnarztpraxis belassen müssen. Der Patient ist dann auf die Kulanz angewiesen.

So sehe ich das im Moment auch beim Optiker.

Es grüßt,
Bremer

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Re: Mit neuer Brille unzufrieden

Beitragvon Messbrille » Mittwoch 24. Mai 2017, 07:20

Falsch:

Beim Arzt handelt es sich um einen Dienstvertrag, bei der Brille um einen Werkvertrag;

Für Heilbehandlungen gibt es keine Garantie/Sachmängelhaftung, für eine Brille schon;

als Augenarzt hafte ich damit nicht für die Brille - auch wenn ich Sie verordnet habe (gilt auch und erst recht bei gesetzlich Versicherten!) ;

Beispiel mit Zahnersatz ist schlecht- weil beides vermengt wird; für den Zahnersatz selber gibt es auch Sachmängelhaftung des Zahntechnikers; die muss der Zahnarzt ggf. für den Patienten gegenüber dem Zahntechniker durchsetzen, falls er im Auftrag des Patienten handelt und die Rechnung stellt;

die Verpflichtung zur Bezahlung der Leistungen, die ja hier unstrittig erbracht wurde (Anfertigung der Brille individuell für deine Person), ist davon auch völlig unbenommen; auch der Zahnarzt würde seine Leistungen in Rechnung stellen, wenn der Patient den Zahnersatz auf einmal nicht abnehmen will....

davon ausgehend, dass das Ziel ja eine Brille sein soll, die funktioniert, ist also die entsprechende Prüfung der Mängel und ggf. deren Behebung ohne weitere Kosten der nächste Schritt ;

das alles hier wird jetzt aber auch eher ein juristisches Thema....
Augenarzt


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