Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Haben Sie eine Frage an den Augenoptiker zu Ihrer Brille. Stellen Sie hier Ihre Frage. (Hinweis: Wir haben hier keine Redaktion. Die Beantwortung Ihrer Fragen werden von Augenoptikern auf freiwilliger Basis durchgeführt. Es besteht kein Anspruch auf eine Beantwortung)
wsunter
Beiträge: 15
Registriert: Freitag 29. Dezember 2017, 18:01

Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Freitag 20. Juli 2018, 20:50

Eine Frage habe ich hierzu noch:

Wie kriege ich heraus, ob eine einseitige oder beidseitige Fusionsstörung vorliegt (ich meine: wie lauten die entsprechenden Diagnosen auf dem Arztbrief?)?

Und: bzgl. des Aufteilens der Prismen gibt es hier zweierlei Meinungen:

Die Prismen können nicht nur aufgeteilt werden, sondern MÜSSEN aufgeteilt werden, sonst geht das mit Sicherheit ins Höschen.

Sicher, daß bei einer (einseitigen?) Fusionsstörung und unterschiedlichen Prismen für Ferne und Nähe und alles in einer einzigen (Bifo-)Brille ein Aufteilen der Prismen tatsächlich sinnvoll ist? Wenn beispielsweise das Führungsauge normale Konvergenzbewegungen macht, das andere aber nicht, würde dann nicht durch das gleichmäßige Verteilen der Prismen das "normale" Auge zu unnatürlichen Bewegungen/Sprüngen gezwungen werden beim Wechsel von Ferne zu Nähe?


Was sagen die anderen hierzu?
Warum hat man in der Klinik nicht einfach aufgeschrieben, die Prismen MÜSSEN aufgeteilt oder DÜRFEN NICHT aufgeteilt werden? (ich jedenfalls interpretiere dass so: beide Optionen wären aus medizinischer Sicht in Ordnung...?

Benutzeravatar
Qwerty
Beiträge: 234
Registriert: Mittwoch 21. September 2016, 18:20

Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Qwerty » Freitag 20. Juli 2018, 21:18

Ein aufteilen der Prismen hat den großen Vorteil, dass die einseitige Abberation des Glases natürlich wesentlich geringer wird. Anstatt 16 nur 8 auf ein Glas zu geben macht die ganze Sache abbildungstechnisch schöner.
Aber!!!: nicht immer darf ich Prismen einfach wahllos aufteilen, dann müssen sie wie gemessen auch in die Brille übernommen werden. Solche Störungen kommen vor. Der Messende gibt die Anweisung wie weiter verfahren wird. Halte dich an den Vorschlag des Refraktionisten.

Eine Anfertigung zweier Brillen halte ich handhabungstechnisch für sehr schwierig. Wurde schon versucht mit den „Fernprismen“ zu lesen? In den allermeisten Fällen schafft man es ein Mittel zu finden mit einem Korrektionswert in beiden Bereichen komfortables Sehen zu schaffen. In der Nähe bleibt beim „Normalmenschen“ ohnehin immer ein wenig latentes Außenschielen über, das man als physiologisch normal ansehen muss. Hier zwingend Nullstellung anzustreben halte ich nicht immer für sinnvoll.

BTW: bin kein aktiver Anwender der MKH oder sonstiger prismatischer Korrektionsmethoden. Kenne lediglich die gelernte Theorie!
Für Einwände bin ich gerne offen.

Lg
Der Satz von Minkwitz, ob man‘s glaubt oder nicht, ist kein Witz :mrgreen:

Oppicker
Beiträge: 1994
Registriert: Dienstag 19. September 2006, 11:16
Wohnort: 76646 Bruchsal

Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon Oppicker » Samstag 21. Juli 2018, 09:49

wsunter hat geschrieben:Was sagen die anderen hierzu?
Warum hat man in der Klinik nicht einfach aufgeschrieben, die Prismen MÜSSEN aufgeteilt oder DÜRFEN NICHT aufgeteilt werden? (ich jedenfalls interpretiere dass so: beide Optionen wären aus medizinischer Sicht in Ordnung...?


Eben! Da die Klinik die Option eingeräumt hat, die Prismen zu verteilen, MÜSSEN sie m.E. auch verteilt werden, da nur so der Bildung einer Pseudofovea vorgebeugt werden kann.
Eine Pseudofovea ist eine Stelle auf der Netzhaut, die sich der Schielende als bevorzugte Stelle zum Sehen aussucht. Dort aber wäre das Auflösungsvermögen und Farbensehen gegenüber der echten Fovea centralis (Netzhautgrube) eingeschränkt.
Ich habe in meinen 35 Jahren als Optikermeister noch keinen Fall erlebt, in dem es je geboten oder erforderlich gewesen wäre, derartige Prismenunterschiede zu geben. Das kann zwar vorkommen, aber erstens nicht in dieser Größenordnung und zweitens nur bei Leuten, die TROTZ dieser Fusionsdefiziten noch beide Augen mit ähnlichen Visus zum Sehen benutzen können.
Manchmal gibt es im Leben einfach nicht genug Steine (Forrest Gump)

wsunter
Beiträge: 15
Registriert: Freitag 29. Dezember 2017, 18:01

Re: Zwei Planprismenbrillen als Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille

Beitragvon wsunter » Dienstag 7. August 2018, 21:51

Ich danke allen vielmals für die produktiven Beiträge. Ich habe heute die Brillen abgeholt und mit dem Optikmeister gesprochen.
Folgende Idee möchte ich teilen (für spätere Leser, die ähnliche Brillenverordnungen bekommen):

es besteht die Möglichkeit,die unteren Prisma-Hälften der Fern-Brille mittels Prismenfolie 'aufzustocken' (wie bei Franklin-Brillen), sodass der prismatische Effekt hier genauso hoch wie bei der Lesebrille/Brille für die Nähe ist.


Zurück zu „Fragen zur Brille“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Qwerty und 22 Gäste